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Reise...
BIG BAND GOES AMERICA
von Sebastian Pauls
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Und erlebt haben
wir viel. Wir, die Mitglieder der Big Band des Konrad-Adenauer-Gymnasiums,
Schüler im Alter von dreizehn bis achtzehn Jahren, haben für
zwei Wochen die Neu-EnglandStaaten der USA besucht. Dieser Besuch war
im Rahmen der Städtepartnerschaft der Stadt Kleve mit Fitchburg in
Massachusetts zustande gekommen. Erste Ideen dazu entstanden 1992, als
nämlich die Partnerschaft Kleve -Fitchburg offiziell besiegelt wurde.
Der Bürgermeister der amerikanischen Partnerstadt, Jeffrey Bean,
der im Rahmen des Festaktes 750 Jahre Kleve die Band in der Stadthalle
hörte, sprach den Wunsch aus, uns in Fitchburg sehen und hören
zu können. Daß es dann aber doch drei Jahre bis zur Realisierung
gedauert hat, lag hauptsächlich an den Schwierigkeiten, in einem
fremden Land Kontakte zu knüpfen und von hier aus zu organisieren,
sowie an finanziellen Aspekten. Denn außer unseren Eigenbeiträgen
mußten auch Zuschüsse beantragt und bewilligt werden. Bei der
Organisation der Fahrt und ihrer Finanzierung haben bis zur letzten Minute
die Partnerschaftsvereine dies- und jenseits des Ozeans große Hilfe
geleistet.
Schließlich war es jedoch soweit und am 9. Oktober saßen wir,
verstärkt durch einige ExBandmitglieder, mit den Lehrern Martha und
Werner Seuken im Flieger nach Boston. Auch mit dabei war die Studentin
Kirsten Wessing, die sich als Reisebegleiterin zur Verfügung gestellt
hatte und somit für den touristischen Teil der Reise zuständig
war. Schnell hatte sie unsere Sympathie auf ihrer Seite. Nach der Ankunft
am Logan International Airport und der Busfahrt nach Fitchburg wurden
wir von unseren Gastfamilien in Empfang genommen, die übrigens erst
in der letzten Woche vor der Fahrt komplett waren. Die "Families"
waren dann so nett, freundlich, interessiert und zuvorkommend, daß
wir richtiggehend verwöhnt wurden und in den folgenden Tagen große
Begeisterung in dieser Beziehung herrschte.
Die erste Woche der Tour bestand dann "zu fünfzig Prozent aus
Musizieren und zu fünfzig Prozent aus Exkursieren.", so einer
unserer Trompeter. Die Arbeit, also das Musizieren war hauptsächlich
durch Proben und Konzerte in einer Grundschule und High Schools in Fitchburg
und dem benachbarten Lunenberg gekennzeichnet. Besonders interessant waren
dabei die sogenannten "Clinics" (oder auch "Jam Sessions"),
bei denen wir mit Jazzbands der Schulen gemeinsame Proben durchführten.
"Dadurch sollten vor allem Kontakte zwischen den Schülern ermöglicht
werden; zudem sollte man gegenseitig Einblick in das Repertoire der anderen
Gruppen bekommen und auch voneinander lernen" hatte unsere Bandleaderin
Martha Seuken vorher erklärt. Und das klappte dann auch tatsächlich.
Besonders an der Fitchburg High School war dies deutlich sichtbar: Wir
verstanden uns gut mit den "Amis" und saßen nach der Probe
in Grüppchen zusammen und haben gequasselt. Mit unseren Leistungen
konnten wir im Vergleich zu den USSchülern durchaus zufrieden sein,
allerdings hatten sie uns etwas voraus: das Improvisieren!
Das erste öffentliche Konzert in Fitchburg fand am Sonntag der ersten
Woche in der Christ Church statt. Unsere Stimmung stieg im Verlauf des
Auftritts mehr und mehr, da das Publikum zwar (relativ) klein aber doch
(sehr) oho, also begeistert und applaus-willig" war. Ein Ehepaar
ließ sich sogar von den Klängen unserer Musik zum Tanz hinreißen.
Insgesamt kam so fast eine familiäre Atmosphäre zustande, in
der wir uns sehr wolilfühlten. Am darauffolgenden Montag dann der
musikalischen Höhepunkt der Tour: Zusammen mit der Fitchburg State
College Jazz Band und der Fitchburg High School Stage Band gaben wir ein
öffentliches Konzert unter dem Motto "The Sister Cities International
Jazz Festival". Dabei überließen die beiden US-Bands,
die einen überzeugenden Auftritt ablieferten, uns deutschen Gästen
den zweiten, größeren Teil des Abends. Mit einer Mischung aus
Swing, Spirituals, Dixieland und Pop konnten wir das Publikum im fast
vollbesetzten Weston Auditorium mitreißen. Bereits in der Mitte
des Programms haben wir "Standing Ovations" entgegengenommen
und vor zwei Zugaben wurden wir nicht entlassen. Die große Begeisterung
des Publikums übertrug sich wiederum auf unsere Stimmung und so wurde
dies wirklich ein "great evening in Fitchburg", wie Bürgermeister
Bean in seiner Rede sagte.
Das Vergnüö~, also das Exkursieren, wies schon in der ersten
Woche interessante Programmpunkte auf: Einen Tagesausflug nach Boston,
Besichtigung zweier Firmen (darunter die US-Niederlassung von SPECTRO),
und einer Apfelfarm, Fahrt mit dem Lift auf den "Mount-Wachussets"-Berg
und den Besuch des Fitchburg Kunstmuseums. Vom Sinfonieorchester TSO höchstpersönlich"
wurden wir zum Besuch ihres Konzertes eingeladen. Einer der großen
Höhepunkte war dann die Teilnahme an einer Whale-Watch-Tour. Tatsächlich
sahen wir mehrere Wale und Delphine aus nächster Nähe. Zeitweise
hatte man jedoch das Gefühl, auf einer Waljagd zu sein, da alle Schiffe
mit Vollgas auf einen Wal losstürmten, wenn er sich zeigte. Die Delphine
dagegen kamen sehr nah an unser Schiff heran.
Zusätzlich gab es auch Zeit, die mit den Gastfamilien verbracht werden
konnte und hauptsächlich zum "shoppen" genutzt wurde. Interessant
war für uns natürlich auch, den "American way of life"
kennenzulernen: wie die Amerikaner leben und welche Ansichten sie haben.
Ein herzlicher Abschied von den Gastfamilien er
BIG BAND GOES AMERICA Seite: 2 folgte dann am Dienstag der zweiten Woche,
als wir Fitchburg verließen und zu einer Tour in die Neu-EnglandStaaten
aufbrachen.
Diese Rundfahrt durch die Bundesstaten Massachusetts, Vermont, New Hampshire,
Maine, Connecticut und New Jersey bestimmte die zweite Woche dieses, "Amerika-Abenteuers".
Außer vielen Stunden im Bus wurden Sehenswürdigkeiten wie z.B.
der Mohawk-Trail angefahren, eine Strecke, auf der früher Indianer
in ihr Sommer- bzw. Winterquartier wanderten. Besonders beeindruckt waren
wir vom Mount Washington, einem 2000 Meter hohen Berg. Auf dem Gipfel
fanden sich Eis, Schnee und Temperaturen um minus fünf Grad, sowie
ein Wind, von dem uns gesagt wurde, er sei der schnellste Wind, den es
weltweit auf einem Berg gäbe. Tatsächlich war er von beeindruckender
Heftigkeit und riß einem fast die Fototasche aus der Hand. Gemütlicher
war da schon die Sirupfarm, sowie das malerische Örtchen Woodstock,
das bei uns vor allem deswegen auffiel, weil es kein einziges FastFood-Restaurant
in der Stadt gab.
Doch auch zum "Shopping" gab es noch einmal Gelegenheit. Diejenigen,
die dies also noch nicht intensiv mit ihren Gastfamilien betrieben hatten,
kamen in der "Kittery" auf ihre Kosten, einem großen Einkaufspark,
wo vor allem "klamottenmäßig" viel los war. Zu den
beliebtesten Einkaufartikeln gehörten die Levi'sJeans, die in den
USA mehr als hundert Mark billiger sind als in Deutschland. "Kittery"
war sogar extrem günstig, da sich dort "Factory-Shops"
befanden, in denen Ware zweiter Wahl angeboten wird.
Mit vielen Tüten bepackt und um etliche Dollar ärmer ging es
dann endlich in Richtung New York! Am ersten Abend war ein Bummel durch
Manhattan's Downtown angesagt, bei dem wir einen Eindruck von der Größe
und Hektik der Stadt bekamen. Diese erste Begegnung mit "Wolkenkratzer-City"
war atemberaubend! Mehr von der Stadt sahen wir aber am Samstag, als uns
eine ziemlich lebendige Reiseleiterin per Bus durch die Stadt führte.
Natürlich wurden alle wichtigen Gebäude, sowie die Wohnungen
der VIPs (Robert Redford, Barbara Streisand usw.) angefahren. Erschwerend
wirkte sich das Verkehrschaos aus Gründen der UNO-50-JahrFeier aus.
Anschließend war es uns möglich, in kleinen Gruppen Manhattan
zu erobern. Und tatsächlich ging niemand im Großstadtdschungel
verloren. Die Orientierung fiel aber auch sehr leicht, da man sich im
schachbrettartig angelegten Manhattan gut zurechtfindet. "Das war
aber zuwenig Zeit, Frau Seuken!" hieß es dann hinterher; wäre
es nach uns gegangen, hätte man New York in den kommenden vierzehn
Tagen noch eingehender erkundet. Der Höhepunkt des Samstags war schließlich
ein Musicalbesuch am Broadway: "Miss Saigon" behandelte die
Probleme einer vietnamesischen Frau, die sich während des Vietnamkrieges
in einen amerikanischen Soldaten verliebt hatte und dann vom ihm getrennt
wurde. Das Stück wurde im vollbesetzten Broadway Theatre aufgeführt
und rührte einige von uns zu Tränen.
Und dann war auch schon der letzte Tag gekommen. Einhellige Meinung: Die
Zeit ist viel zu schnell vorübergegangen aber es war einfach "cool"!
Doch bevor das Flugzeug am John F. Kennedy-Airport bestiegen werden konnte,
wurde noch ein GospelGottesdienst mitten in Harlem besucht und eine kurze
Fahrt mit der Staten-Island-Fähre unternommen, um die Freiheitsstatue
und die Skyline Manhattans im Mittagslicht aus der Nähe betrachten
zu können. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens in Brooklyn wurde unsere
Fahrt zum Flughafen dann noch mal zu einer Zitterpartie (wir mußten
mehrere Nebenstraßen benutzen) und wir erlebten einen schnellen,
hektischen Check-In. Wir flogen jedoch nicht ab, ohne uns herzlich von
der sehr netten Busfahrerin zu verabschieden, die auch im dichten Getümmel
New Yorks nie die Nerven und die gute Laune verloren hatte.
Alles in allem eine sehr gelungene Fahrt, finden wir. Wir haben viel
erlebt und Spaß gehabt. Doch: wenn einer eine Reise tut, dann kann
er nicht nur etwas erleben, also etwas mitnehmen, sondern auch etwas geben.
In diesem Falle: die Musik.
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